Dorsten Diekmann
Das blaue Leuchten

Das blaue Leuchten Das blaue Leuchten Das blaue Leuchten Das blaue Leuchten

Das Rauhe und das Glatte, das Gebrochene und das Polierte, das Harte und das Weiche, das Massige und das Elegante, das Wuchtige und das Geschmeidige, das Gerade und das Geschwungene gehen eine schillernde und glänzende Verbindung ein.

Was an der Gestaltung des eine Milliarde Jahre alten, nahezu 15 t schweren Lemgoer Steinblocks aus ukrainischem Labrador vor allem fasziniert, ist das Zusammenspiel von gewachsenem und geformtem Stein sowie das Spannungsgefüge der Oberflächen zwischen naturbelassener Rohheit und feinster Polierung. Die kristallinen Strukturen des Steins werden bis in erstaunliche Tiefen glasklar erkennbar.

Eine Skala von Blauschimmer dringt wie aus dem Inneren des Steins an die Oberfläche, wobei sich die Farbtöne im Wechsel des Lichtes ständig verändern. Einmal korrespondiert das Blau mit dem Himmel über dem Stein, ein andermal verbinden sich Regenwasser und wellenähnliche Formung nahtlos miteinander. Durch Teilung, Formung und Lagerung ist ein Steinensemble entstanden, das die große Hügellandschaft sekundiert und dabei architektonische und topographische Elemente in sich vereint.

Dieser Anorthosit – im Handel auch Russischer Labrador oder Golovino nach seinem Fundort in der Ukraine genannt – ist ein über 1 Millarde Jahre altes, magmatisches Tiefengestein.

Aus einer glutflüssigen Schmelze von mehr als 1200º Celsius entstanden in einigen Kilometern Erdtiefe durch Abkühlung große, tafelige Feldspat-Kristalle und in den verbleibenden, zwickelartigen Hohlräumen kleinere Pyroxen-Kristalle. Auf den unbearbeiteten Bruchflächen erkennt man die Feldspäte an den glatten, gestreiften Spaltflächen, während die Pyroxene matt und dunkler erscheinen. Seinen besonderen Reiz erhält dieses begehrte Ornament- und Fassaden-Material durch das Farbenspiel der Kristalle: Während der Abkühlung bildeten sich innerhalb der Feldspäte nur für das Elektronenmikroskop sichtbare kleine, dünnsttafelige Bereiche, die das auftreffende Licht verändern. So entsteht ein leuchtend blauer Farbschiller, ähnlich wie bei einem Ölfleck auf einer Wasserpfütze oder auf den Flügeln eines Schillerfalters.

Der Dünnschliff, eine nur 3 hundertstel Millimeter dicke Scheibe des Anorthosits, offenbart im Lichtmikroskop die Struktur des Gesteins. Feldspat ist in dieser Dicke völlig klar durchsichtig, während Pyroxen grau gefärbt ist. Bei Betrachtung im polarisierten Licht – einer besonderen Untersuchungsmethode der Mineralogen – erscheinen die Feldspäte gestreift in verschiedenen Grautönen, während die Pyroxene farbig sind.

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Dorsten Diekmann lebt und arbeitet in Lemgo. Granit unterschiedlicher Herkunft ist das von ihm bevorzugte Material. In seinen Arbeiten, seien sie groß oder klein, macht Dorsten Diekmann für den Betrachter zum Erlebnis, was im rohen Stein verborgen angelegt ist. Sein Anliegen ist, der Gegenständlichkeit, die das Material beinhaltet, Form und lebhaften Ausdruck zu geben.

Diese Haltung charakterisiert Auftragsarbeiten wie „Großer Tor-Block“ vor dem Telekom- Verwaltungsgebäude in Detmold, „Das Blaue Leuchten“ im Staff Landschaftspark Lemgo und den „Gedenkstein für Andreas Koch“ in der Kirche St. Nicolai Lemgo

Leicht nachvollziehbar ist, daß einzelne Steine oder auch Gruppen in naturnaher Umgebung, beispielsweise in Gärten oder Höfen, ihren Ort haben. Wer sich aber mit Dorsten Diekmanns Steinen auseinandersetzt, wird erleben, daß sie auch in Innenräumen, im Dialog mit der Architektur und im Umfeld des beruflichen und privaten Lebens in gleichem Maße überzeugen.

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Katalog
Dorsten Diekmann
Reflexionen
Herausgegeben von der Staff Stiftung

Kostenlos erhältlich bei der Staff Stiftung

  • Text: Christoph Brockhaus im Katalog „Dorsten Diekmann Reflexionen“
  • Text: Prof. Dr. W. V. Maresch, Institut für Mineralogie, Ruhr-Universität Bochum „Der Stein – seine Herkunft und eine Analyse“
  • Fotos: Lena Jelinski (1), Gerhard Milting (4)