George Condo

Im Rahmen der Gartenlandschaft OstWestfalenLippe 2005 wurden die Skulpturen von George Condo erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In der hierzu erschienenen Broschüre schreibt Dr. Thomas Kellein, Direktor der Kunsthalle Bielefeld, folgenden Text:

„Ausgedehnte Formen“ im Landschaftspark

Ein Maler und Zeichner, der auch Bildhauer ist: George Condo, 1957 im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire geboren, zeigt vier lackierte Aluminiumskulpturen namens „One Armed Bandit“, „Gil Evans“, „Space Ship“ und „Gate“ im STAFF Landschaftspark. Die vier Werke stammen aus dem Jahr 2002. Es handelt sich um klar greifbare, zugleich surreale Formen, deren Körperlichkeit, die sich im Raum verteilt, eine Familienaufstellung evoziert. Ein Werk scheint heiter zu schweben, ein weiteres bildet eine kleine Wand, ein drittes ragt kerzengerade auf, das vierte ist durch einen rechten Winkel und eine formale Verdoppelung irgendwie mit sich selbst beschäftigt.

Condo wollte die Ausdehnungsmöglichkeiten von Formen beschreiben. Die Werke strecken sich und kragen aus, sie erscheinen verschränkt und füllen dabei simple, aus geraden und geschwungenen Linien bestehende Konturen. Farblich pendeln sie zwischen hellem und dunklem, vornehm glänzendem und signalhaft leuchtendem Autolack. Die Skulpturen bespielen einen von Raseninseln geprägten und Gehölzen abgeschirmten Parkteil der STAFF STIFTUNG, der bislang nicht zugänglich war. In ihrer Nähe sind auch Werke von Max Ernst und Erich Hauser zu sehen.

Wohnpark im Winter mit Raureif
auf "Gil Evans" und "One Armed Bandit" (v.l.n.r.)

Foto Ralf Gerke

 

 

Am Neujahrstag 2002 zeichnete der Künstler seine „Extended Forms“ wie ein Bildprogramm mit einer Nummerierung auf. Nach einer Schaffenspause, die rund zehn Jahre gedauert hat und nach dem schrecklichen Erlebnis des 11. September 2001, das Condo in New York in einigen Gemälden verarbeitet hatte, wollte er wie ein Yves Tanguy dreidimensionale Objekte mitten in die Landschaft stellen. Bereits im Herbst 2001,mit antikisierenden Köpfen aus Ton und Wachs, die in Bronze gegossen wurden, ging Condo das Thema Skulptur neuerlich an. In freien Assoziationen könnte der „One Armed Bandit“, das Synonym für einen Spielautomaten, als Schlüssel, als ein Signet für Glück oder als gedrechselter Korkenziehergriff verstanden werden. Der feine schwarze Lack des Objekts erinnert an die dunklen Limousinen New Yorks. „Gil Evans“, vielleicht einer Piemont-Kirsche oder dem grafischen Kürzel Andy Warhols für „Flowers“ ähnlich, bezieht sich wie einige „Jazz Sculptures“, die Condo parallel zu den „Extended Forms“ 2002 geschaffen hat, auf einen bekannten Namen der Jazz-Musik. Das „Space Ship“, ein strahlend weißes Objekt aus aufrecht stehenden Surfbrettern, die mit einer Stange oder einem ovalen Sitz verbunden sind, tritt wie ein neoantiker Streitwagen mit Damensattel oder als Junggesellenmaschine auf. „The Gate“ schließlich, ein taubenblaues Yin und Yang, stellt in seiner männlich-weiblichen Anmutung zwei angewinkelte Arme im Sinne einer kindlichen Fügung vor.

Wohnpark mit "Gil Evans" und "Space Ship" (v.l.n.r.)
Foto Volker Hense

 

 

Condo hat keine der Gestalten wirklich neu erfunden, denn die Mehrzahl der Formen kam bereits in früheren Bildern, unbetitelten Werken von 1984 oder zum Beispiel in „High on a Hill“ von 1992-93 vor. Doch haben sich die Skulpturen vom imaginären Landschafts- und Porträtzweck stark entfernt. Das Auge erblickt sie im realen Raum, der wiederum, als grüne Fläche mit satten Pflanzen gesäumt, wie ein künstliches Bild erscheint. Vor dieser Kulisse spielt der Künstler mit sorgfältig konstruierten, angenehmen Formen von Geometrie. Es geht bei den vereinfachten, farbigen Skulpturen wie in vielen Gemälden Condos um „abstrakte Weiblichkeit“. So birgt der sogenannte Wohnpark der STAFF STIFTUNG vier neue Werke, die wir mit unserem interesselosen Wohlgefallen wirklich begehren.

Eindruck aus dem Wohnpark
Foto Volker Hense