Julia Kernbach
Stipendiatin 2006 - 2007

Schwerpunktthemen der Fotokünstlerin Julia Kernbach sind Architektur, Garten und Wald. Ihre Werke sind großformatig und aufgrund der Bearbeitung im Diasec-Verfahren (Methode der dauerhaften Verbindung von Bildmaterial mit Acryl- oder Plexiglas) haben sie eine besondere Tiefenwirkung.

Zur Abschlußausstellung des Stipendiums erschien der Katalog „IMMERGRÜN“, in dem Stefanie Kreuzer schreibt (Auszüge):

Über den Wald und das Bild des Waldes

Motivisch umkreisen die Arbeiten von Julia Kernbach mit den Bildern des Waldes, die sie seit 2004 schafft, wobei sie erstmals einen Computer zur Bearbeitung der Werke einsetzt, eines der klassischen, vielfältige Assoziationen auslösenden Themen der Literatur und der Bildenden Kunst. Traditionellerweise fungiert der Wald als Sinnbild für Natur schlechthin, als eine Art Wunschtraum oder Modell für das Gegensatzpaar einer Kultur-Natur-Gesellschaft. Dergestalt avanciert die harmonische, von Künstlerhand geordnete Natur auch zu einem Möglichkeitsraum, der den Wald als Mythos stilisiert.

Einladungskarte zur Abschlußausstellung vom 18. März bis 22. April 2007 in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus

Ausgehend von diesen künstlerischen Überlegungen der ersten Waldserie entsteht eine weitere, die jetzt auch den heimischen Laubmischwald, wie er charakteristisch für die Gebiete des Teutoburger Waldes ist, zum Bildmotiv macht. Als altgewachsener Baumbestand zeigt er viele verschieden Baumarten und Pflanzen, die ausgehend von den mannigfaltigen Formationen erneut die Konzentration auf die Struktur der Bilder, das heißt, auf den rein formalen Aspekt lenken. Indem die Künstlerin bei der Serie „viel Wald“ zwei Fotos mit unterschiedlichen Transparenzen übereinander legt, erreicht sie eine starke Verdichtung der Ausgangsbilder, die zu einer scheinbar nicht zu durchdringenden Waldlandschaft werden. Die ursprüngliche Ausrichtung der Fotografien bleibt hier allerdings in den meisten Fällen erhalten, sie wird nur gelegentlich zu einem geringen Prozentsatz gedreht. Als Auswahlkriterium für das Zusammenführen der Bilder wählt die Künstlerin eine gewisse formale Ähnlichkeit in der Wald- und Pflanzenstruktur, die in der Überlagerung zu einer Vorstellung von „Harmonie“ führt. Der Fokus ist nun nicht mehr auf die Betonung der Horizontale gerichtet, sondern wird gänzlich in einer Art All-Over-Prinzip aufgehoben, das jegliche Hierarchisierung der Bewegungsrichtungen außer Kraft setzt. Diese Zustände der Vermischung, die sich gegenseitig ergänzen und verdoppeln sowie formale Metamorphosen bilden, lassen ein „Mehr“ entstehen, das zum einen die Vorstellung des Waldes potenziert und zum anderen nicht mehr nur einen Gesamtblick auf das Bild zuläßt, sondern viele, die immer wieder neue Details in den Fokus stellen – so wie die Blätter und Wurzeln, die vermehrt in den neuesten Arbeiten der Künstlerin als Gestaltungselement auftauchen. Das Bild des Waldes wird im Bild der tiefen, verborgenen, visuell nicht zu durchdringenden Waldlandschaft gesteigert, geradezu mythisch oder magisch erscheint der Wald, der keinen Horizont durchscheinen läßt, dessen Stämme und Äste sich zu einem immer wieder auch durchscheinenden Geflecht zusammenfügen und so die Eindringlichkeit des Abbildes auf formaler Ebene noch unterstreichen.

Biografie

25.09.1978 geboren in Ravensburg
1998 Abitur
seit Okt. 1999 Kunstakademie Düsseldorf
seit Okt. 2000 bei Professor Thomas Ruff

Ausstellungen

2002 Hotel Ufer, Zimmer 16
2003 Morgen ist Anders, Kulturbahnhof Eller, Düsseldorf
2004 ruffklasse.de, Tanzhaus nrw, Düsseldorf
2004 Voies Off, Festival du Photographie, Arles
2004 März und April, Ausstellungsprojekt der Ruffklasse und der HGk Zürich im NRW- Forum Düsseldorf und Walcheturm Zürich
2004 Mur réflexion, Centre Culturel Auguste-Dobel, Paris
2005 "Ausgezeichnet" preisgekrönte und ausgewählte Positionen junger Fotografie; Sonderausstellung kölnphoto auf der KUNSTKÖLN 2005
2005 "Transformationen- junge Fotografie" Galerie B, Sinzheim/ Baden-Baden
2005 "Transphotographiques" Festival du photographie, Lille
2005 "All about... Düsseldorf" white box/ Kultfabrik, München

Preise und Stipendien

2003 Reisestipendium der Kunstakademie Düsseldorf
2006 - 2007

Stipendium Junge Kunst der Alten Hansestadt Lemgo