Christel Fetzer
Stipendiatin 2002 - 2003

Die Arbeiten der Künstlerin Christel Fetzer
Eine Betrachtung von Jakob Möhring

Mit Christel Fetzer präsentiert eine Künstlerin ihr Werk, das dem Betrachter in Form- und Farbsprache selbstbewußt gegenübertritt und sich über das gesamte Spannungsfeld vom Bild über das Objekthafte bis hin zur raumgreifenden Installation erstreckt.

Bild von der Abschlußausstellung (März bis April 2003)

Ich bin sicher, daß jeder aufmerksame Beobachter, der dieser Künstlerin in ihrem Schaffen begegnet, die ausgeprägte Hingabe und Sensibilität bemerken wird, mit der Farbe und Stofflichkeit von industriell produzierten Gebrauchsmaterialien zu Kunstwerken komponiert und inszeniert werden. Und in der Tat scheint sich eben dieses besondere Interesse als ein Leitfaden durch die künstlerische Arbeit zu ziehen.

Wenn alles Bewußtsein durch die Sinne erfahren wird und der wahre Charakter der Dinge durch Freistellung des Wesentlichen offengelegt wird, kann ich dieses verborgene Wissen in der künstlerischen Entwicklung von Christel Fetzer wiedererkennen.

Die Verdrängung des Malerischen aus den Bildwerken schafft den Freiraum, in dem industriell produzierte Farbtöne ihre Selbständigkeit zurückerlangen. Durch zusätzliche Inszenierung, beispielsweise durch die Aufpolsterung von PVC-Folien, wird die Materialität betont, die Farbfläche wird in die räumliche Dimension erhoben, und somit das haptische Sensorium gleichsam in die optische Wahrnehmung integriert. In scheinbar schlichter Einfachheit werden raumfüllende Konstruktionen erschaffen, im Zusammenspiel mit abstrahierten Zeichensystemen entstehen Farbräume und optische Signale.

Tischlager    Regal

Durch Wiederverwendung und Variation gelingt eine künstlerische Wertschöpfung, die einen zielgerichteten Prozeß durchläuft. Hier entstehen keine geheimnisvollen oder mystischen Kontexte. Alles ist klar erkennbar. Die Arbeit bedient sich einer gestalterischen Ausdrucksform, in der Inszenierung als Offenlegung und Reduzieren in eben jenem Sinn von Konzentration verstanden werden kann, die notwendige Voraussetzung jeglicher Sensibilisierung für elementare Wahrheit ist.

Wenn zuletzt die zum Teil korrespondierenden Arbeiten auf mit reflektierenden Folien ausgelegten Flächen und in Gegenüberstellung mit spiegelnden Objekten präsentiert werden, so kann dies als Versuch gelesen werden, nicht nur eine Verbindung vom Werk zum umgebenden Raum zu schaffen und diese zu einer Einheit zu verbinden, sondern darüber hinaus die Wahrnehmung von der unmittelbaren Präsenz des Objektes auf das flüchtige wechselwirkende Empfinden des Betrachters selbst zu lenken.

Nach ihrer Motivation bei der künstlerischen Arbeit gefragt, antwortete Christel Fetzer kürzlich in einem Gespräch: "Ich habe das Anliegen, die Arbeit zu sehen."

Familie mit Hund   San Bernadino-Paß

In das Gästebuch der Ausstellung in Lemgo hat ein Besucher - als Attribut oder Fazit - "Zukunftsoptimistisch." geschrieben. Zunächst empfand ich diesen Eintrag als merkwürdig, ich lachte über diese, wie ich glaubte, unbedachte oder gar belustigend gemeinte Wortwahl. Als ich noch eine Weile darüber nachgedacht hatte, mußte ich allerdings zugeben, daß sich dieser Besucher als genauerer und kreativerer Beobachter erwiesen hat und vielleicht auch der Künstlerin das größte Lob für ihre Arbeit ausgesprochen hat: In einer Umwelt von technisch hergestellten Massenwaren und Verbrauchsstoffen Reichtum und Schönheit offenzulegen, und damit ein Stück weit Alltag in Poesie zu verwandeln - diese Erfahrung kann durchaus zukunftsoptimistisch stimmen.


Biografie

1967 geboren in Giengen/Brenz, Süddeutschland
1993 - 1995 Studium bei Prof. Jochen Zellmann
1995 - 2000 Studium bei Prof. Reiner Ruthenbeck
2000 - 2001 Studium bei Prof. Katharina Fritsch 
1999

Meisterschülerin von Prof. Reiner Ruthenbeck

2000 Akademiebrief


Preise und Stipendien  

1994 - 1998 Hanns-Voith-Stipendium
1995 Mayer-Preis für junge Kunst
1997 Förderpreis des Förderervereins der Kunstakademie Münster
2002 Stipendium für junge Kunst der alten Hansestadt Lemgo