Alexander Braun
Stipendiat 2000 - 2001

Text zu einem von Dr. Alexander Braun im Junkerhaus gedrehten Video aus dem Katalog "Manual“, der u.a. zur Abschlußausstellung des Stipendiums erschienen ist:

Ruhe sanft

Das Video wurde an einem kalten Wintertag im Januar 2001 im "Junker-Haus“ in Lemgo gedreht. Beim Junker-Haus handelt es sich um eines der bedeutendsten Beispiele für "Outsider-art“ überhaupt. Das Haus wurde von Karl Junker (geb. 1850) von 1889 an geplant, gebaut und von ihm bis zu seinem Tod 1912 über und über mit Schnitzwerk und Bildtafeln versehen. Das Haus ist ein Gesamtkunstwerk mit manischen Zügen. Die Stimmung im Innern schwankt zwischen Faszination gegenüber der Leidenschaft, sich vollständig in den eigenen Mikrokosmos zu ergeben, und Wehmut angesichts von Junkers gescheiterten Lebensentwürfen: Junker hat weder als Künstler die erhoffte Anerkennung erfahren, noch besaß er eine Familie, obwohl er sein Haus mit einem Doppelbett und einer Wiege ausstattete, etc. Im Video bilden sich über der Figur kleine Nebelschwaden, die sogartig von Filzkopf absorbiert werden. Es handelt sich um die Rückführung des Atemhauchs. Die Zeit läuft zurück, und statt daß die Figur etwas ins Haus ausscheidet, saugt sie etwas von ihm auf. Währenddessen ist die Arie Ruhe sanft aus der unvollendet gebliebenen Oper Zaide von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Mozart komponierte das Fragment 1779 während eines eher dunklen und unglücklichen Lebensabschnittes. Trotzdem wirkt die Musik nicht depressiv und tragisch, sondern ist auf anrührende Weise schön.

Ruhe sanft mein holdes Leben
Foto Alexander Braun 


Filzbilder

Die Gruppe der von Hand genähten Filzbilder existiert seit 1999, seit einem längeren Aufenthalt von Alexander Braun im texanisch-mexikanischen Grenzland. Sie sind inspiriert von den Feierlichkeiten des »Day of the Dead« in Mexiko (1.-3. November). An diesen Tagen feiern die Mexikaner ihre verstorbenen Ahnen in Form von Volksfesten (auf den Friedhöfen). Ein charakteristisches Motiv ist dabei das Skelett, das in Form von Figuren, Nippes und Spielzeug das gesamte Alltagsleben durchzieht. Ganz im Gegenteil zur mitteleuropäischen Tradition taucht der »Tod« hier nicht schockartig auf und führt zum Erschrecken der Menschen, sondern wird auf humorvolle Weise als eine Art Gefährte des Alltags inszeniert.

Ohne Titel (Ray Johnson)
Foto Alexander Braun

Das Bild (Filz und Garn auf Keilrahmen) ist eine Art Hommage an den verstorbenen New Yorker Künstler Ray Johnson. Die beziehungsreichen Aussprüche »Norwalk«, »Shelter Island«, »Bridgeport«, »New Haven« sind alles Orte, die sich auf Long Island, der Landzunge vor New York, befinden.


Biografie    

1966 in Dortmund geboren
1985 - 1993 Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und der Freien Universität Berlin
1996 Promotion
seit 2001 Lehrauftrag für Gestaltungslehre, Hochschule Niederrhein, Krefeld


 
Preise und Stipendien

1997 Stipendium der Westdeutschen Hypothekenbank Dortmund (WestHyp-Stiftung)
1999 Ringenberg-Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen
  Artist in Residence, Chinati Foundation, Marfa, Texas
2000 Transfer 2000: Spanien, Künstleraustausch des Kultursekretariats NRW
  Stipendium Junge Kunst 2000, Lemgo
  GWK Förderpreis der westfälischen Wirtschaft 2000


Ausstellungen (Auswahl, E = Einzelausstellungen)

1996 Aus der Forschung, Wiener Secession (E, Katalog)
1997 Wortwechsel, Künstlerwerkstatt Lothringer Straße München
1999 Sleeping, Chinati Foundation, Marfa, Texas (E, Katalog)
  Spit on a Stranger, sic!projects Michaela Nolte, Berlin (E, Katalog)
2000 Rocky Road, Gesellschaft der Freunde junger Kunst, Baden-Baden (E)
  Installationen und Videoarbeiten, Overbeck-Gesellschaft, Lübeck (E)
  Neue Bilder aus Filz und andere Werke, Museum am Ostwall (Studio), Dortmund (E)
  Videos, Flottmann-Hallen, Herne (E, mit Beat Streuli und Erwin Wurm), (Katalog)
  Mich hindert der Frost nicht, Wewerka-Pavillon, Münster (E, Katalog)
  Transfer, Centro Galego de Arte Contemporánea, Santiago de Compostela (Katalog)
2001 Dieses weite traurige Land, Kunstverein Celle (E, Katalog)
  Transfer, Sala de Exposiciones Rekalde, Bilbao
  For Once, Then, Something, Fruitmarket Gallery, Edinburgh
  Transfer, Museum Abteiberg, Mönchengladbach
  Kunstpreis Junger Westen 2001, Recklinghausen (Katalog)
2002 Galerie Michael Zink, München (E)
  Nachtschicht, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
  Ohne Worte, Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf
  Alexander Braun, Steffen Mühle, DNA Galerie, Berlin (E)